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Die Beduinen der Westbank- Die neuen Flüchtlinge?

Die Mehrheit der Beduinen der Westbank lebt im C-Gebiet, der größten (70,2% der Gesamtfläche) der drei Zonen in die die Westbank eingeteilt wurde. Dies ist zugleich jenes Gebiet, in dem die militärische Oberhoheit bis zum Abschluss der Final Status Verhandlungen in den Händen der Israelis bleiben wird. Bis auf wenige Ausnahmen liegen auch alle der 145 israelischen Siedlungen im C-Gebiet- ihre Lage ist ebenso strategisch bedeutend wie die der Militärstützpunkte.

Nur vier Wochen nach dem Sharm-el- Sheihk- Abkommen (4.September1999) wurden per Militärbefehl wegen angeblicher Sicherheitsgründe 20 km² Land, vorwiegend im C-Gebiet, abgeriegelt. Dies erinnert an das israelische Vorgehen nach der Rückgabe des Sinai an Ägypten 1979, als ein Teil des den Negev- Beduinen noch verbliebenen Gebietes für die Errichtung des Tel- Malhata Militärflughafens konfisziert wurde und 750 Familien vertrieben wurden. Jeder weitere israelische Rückzug im Rahmen der Verhandlungen über den endgültigen Status wird wahrscheinlich mit ähnlichen Konfiszierungen einhergehen. Ein Experte der israelischen Menschenrechtsorganisation B´tselem betont, dass Israel in jenem Teil des C-Gebietes, den es einbehält, wohl keine Palästinenser dulden wird. Realisten sagen voraus, dass Barak darauf bestehen wird, den Großteil des C-Gebietes einzubehalten.

Nach Angaben des „Land Research Centre“ in Jerusalem sind seit Beginn der militärischen Besetzung durch Israel 1967 73% der Westbank unter den verschiedensten Vorwänden konfisziert worden - für Militärstützpunkte, Übungsplätze, „Naturschutzgebiete“. Der Großteil dieses konfiszierten oder abgeriegelten Landes wurde israelischen Siedlern zur Nutzung überlassen, während die Beduinen weitestgehend oder gar vollständig ihr Weideland verloren. Angesichts ihrer verbliebenen Herden, die in Ställe gesperrt und mit Heu und Strom gefüttert werden müssen, betrachten die beduinischen Viehzüchter mit Bitterkeit die im Namen der Natur künstlich angelegten Wälder, die für sie nunmehr unzugänglich sind. Viehbesitzer müssen mit der Allgegenwärtigkeit von Beschlagnahme und hohen Bußgeldern leben.

Westbank Siedlung

Die Anwendung von Militärrecht im C-Gebiet, welche direkt gegen die Genfer Konvention verstößt, ist der Hauptgrund dafür, dass Beduinen immer wieder Vertreibungen zum Opfer fallen. Aber auch die natürliche Beschaffenheit des Landes, auf dem sie leben, trägt zu diesem Umstand bei, ebenso die Beziehung, die sie zu diesem Land haben - Land, das als „leer“ wahrgenommen wird und weder in Privatbesitz ist noch für Feldbestellung genutzt wird. Wie auch in der Negev Wüste und in Galiläa beruft sich Israel in der Westbank auf osmanisches Recht, um all dieses Land für sich zu beanspruchen. Aber gerade auf solch wasserarmen und unfruchtbarem Land haben sich die Beduinen ihre ökologische und ökonomische Nische geschaffen, indem sie geschickt die minimalen Ressourcen für Viehzucht und auf Regenwasser basierende Landwirtschaft nutzen. Nach Angaben der Palestian Agricultural Relief Committees (PARC) produzieren Beduinen 50% des Ziegen- und Schaffleischs der Westbank. Einige der Beduinen besitzen von der jordanischen Regierung ausgestellte Besitzurkunden, der Großteil des Anspruchs der Beduinen auf Land gründet sich jedoch auf Gewohnheitsrecht und Adhoc- Vereinbarungen. Israel verweigert sowohl die Anerkennung von Dokumenten als auch von Gewohnheitsrecht.

In einer grotesken Umkehrung der Geschichte sehen Israelis in den Beduinen „Eindringlinge“, deren Lager als illegal gelten. In dieser Hinsicht sind israelisches Militär und Justiz einer Meinung. Während der Oberste Gerichtshof gelegentlich palästinensische Eigentumsrechte bestätigt hat, gab es bisher nicht eine Entscheidung zugunsten der Beduinen, außer Verfügungen zur Verzögerung von Räumungen. Die Praxis der Vertreibungen begann unmittelbar nach dem Krieg von 1967, als die östlichen Abhänge der Westbank zum Militärgebiet erklärt wurden. Aber besonders nach Oslo wurden Vertreibungen und Drohungen verstärkt. Seit 1996/ 97 sind eine Reihe von Beduinengruppen vertrieben worden. Vertreibungen werden begleitet von Gewalt - Zerstörung der Unterkünfte, Schlägen, Verhaftungen, Beschlagnahme von Vieh und Ausrüstung. Bei einem Übergriff auf das Dorf Rashayda im Juli 1998 wurden scharfe Munition und Tränengas eingesetzt. Alle Beduinen im C-Gebiet haben offenbar Räumungsbefehle erhalten. Diese werden in den seltensten Fällen sofort durchgesetzt, werden aber dann in die Tat umgesetzt, wenn sich das Medieninteresse gerade auf etwas anderes konzentriert.

Flüchtlingslager

Die Formen der Drohungen variieren. Die Studie einer italienischen NGO über zehn Stammesgruppen in den Verwaltungsbezirken Bethlehem und Gebron hat gezeigt, dass jede dieser Gruppen Opfer von Vertreibungen wurde; in allen Fällen war das Weiden des Viehs eingeschränkt worden. Die Zelte oder Hütten von neun Gruppen wurden zerstört, die Ausrüstung -Traktoren, Wassertanks - von vier Gruppen und die Schafe von drei Gruppen wurden beschlagnahmt, das Vieh von zwei Gruppen wurde getötet. Nach anderen Angaben wurden Höhlen nahe Hebron, in denen Beduinen leben, gesprengt, Brunnen wurden versperrt, Zisternen zerstört. Die israelischen Bemühungen, die Beduinen zu vertreiben, konzentrieren sich jedoch auf die zentralen Regionen der Westbank zwischen Jerusalem und Jericho und entlang des Jordantales. Die Jahalin sind besonders betroffen, da ihr angestammtes Gebiet dem Ausbau der Ma´ale Adumim Siedlung im Wege steht, die zu einer Megapolis von 53 km² anwachsen und im Osten bis Jericho reichen soll, wodurch die Westbank zweigeteilt würde. Beduinen sind überzeugt, dass Israel sie letztendlich alle in das B-Gebiet vertreiben will, wo es kein Brachland für Viehweiden gibt und wo die Verantwortung für die Beduinen in den Händen der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) liegen wird. Die Mehrheit der Beduinen in der Westbank waren 1948 aus der Negev Wüste vertrieben worden. Jetzt werden sie zum zweiten oder dritten Mal zu Flüchtlingen.

Doppelte Außenseiterrolle

Wenn die PLO in Oslo die strategische Bedeutung des C-Gebietes nicht erkannte, dann wohl deswegen, weil sie die israelische Auffassung teilte, dieses Land sei „leer“ und nur von einer „Handvoll Beduinen“ bewohnt. Einige vermuten, dass die PA eine Mitschuld an den jüngsten Abriegelungen trägt, da sie mehr darum besorgt sei, Land wiederzuerlangen, das die Flecken der Gebiete A und B trennt, Land, welches von Beduinen bewohnt wird. Andere Palästinenser sehen in den Beduinen einerseits teilweise die Verkörperung arabischer Werte wie Großzügigkeit, während die Beduinen von anderen der Kollaboration beschuldigt werden oder ihnen Rückständigkeit vorgeworfen wird. Der Taxifahrer, der uns zu einem entlegenen Lager südöstlich von Hebron brachte, bemerkte: „Beduinen sind faul, sie arbeiten nicht gern“.

Was schwerer wiegt: Beduinen sind sozusagen unsichtbar. Kompetente Leute wissen nichts über sie, kennen nicht einmal ihre Anzahl. Im Zentralen Büro für Statistik in Ramallah reichten die Antworten auf die Frage, wie viel Prozent der Bevölkerung der Westbank die Beduinen ausmachen, von „weniger als 1%“ bis „mindestens 25%“. Eine Veröffentlichung der Behörde vom Januar 1999 hebt Beduinen nicht als gesonderte Kategorie hervor. Die Beduinen selbst und die NGOs, die mit ihnen arbeiten, machen Angaben von 200-300 000, d.h. 12-18% der 1,6 Mio. Bewohner der Westbank.

Die Unklarheit der Zahlen spiegelt die Unschlüssigkeit bei der Beantwortung der Frage wider, wer denn ein Beduine ist. Die Beduinen behaupten, dass nur sie selbst dies beurteilen könnten und NGOs oft nicht zwischen Beduinen und anderen Armen unterscheiden. Die sozialen Schranken sind durch den Niedergang der als Lebensgrundlage dienenden Wirtschaftsform, bei der das Vieh auf entfernte Sommerweiden gebracht wird, ins Wanken geraten. Von Weideland und Wasser abgeschnitten sind viele Beduinen zur regulären Landwirtschaft übergegangen (besonders im Ghor Tal), andere üben Hilfsarbeiten in den israelischen Siedlungen aus. Obwohl die Außenseiterrolle der Beduinen der Westbank durch das Zusammenwirken von Faktoren wie der Herausbildung organisierter Staaten, Grenzkontrollen und sich verändernder Wirtschaftsformen bedingt ist, sind sie auch Opfer der israelischen Besatzung und der Vernachlässigung durch die palästinensischen Behörden, was ihre Lage noch weiter verschlimmert. Beduinen sind in kaum einer palästinensischen Institution vertreten, weder im Kabinett, im Legislativrat, dem Sicherheitsapparat, den Ministerien, den NGOs noch in politischen Parteien oder den Medien. Es gibt Abteilungen für Beduinen im Landwirtschaftsministerium und im Ministerium für Lokalverwaltung, die aber jeweils von Nicht-Beduinen geleitet werden. Nur wenige Beduinen studieren an Universitäten.

Moderne Armut

Während ihre Tiere einst Verkaufswert besaßen und zur Selbstversorgung dienten, sind die Beduinen der Westbank heute verarmt und verschuldet. Ihre Siedlungen sind heruntergekommen und ihnen fehlt selbst jener Boden, auf dem Palästinenser in den Flüchtlingslagern durch Eigenanbau ihre Rationen aufbessern. Als Unterkünfte dienen Höhlen und Zelte, oder auch Hütten aus gesammelten Altmaterialien - Jutesäcke, Holzbretter, Pappe, Plastikplanen und Wellblech-, Zement steht nur den Bessergestellten zur Verfügung. Frauen müssen ohne fließendes Wasser, Strom, Herde und Kühlschränke auskommen. Ein- bis zweimal sahen wir einen Primuskocher, es wird jedoch zumeist mit Holz gekocht. Es besteht ein auffälliger Kontrast zwischen kleinen Kindern, die ausreichend ernährt aussehen, selbst wenn sie ärmlich gekleidet sind und keine Schuhe trugen, und Frauen, die abgemagert sind.

Selbst die Dinge für den Grundbedarf müssen gekauft werden, angefangen bei Wasser. Zwei Jahre Trockenheit haben die Wasserknappheit verschärft, die durch den privilegierten Zugriff der Siedler auf Wasser und die Abriegelung von Brunnen mitverursacht wird. Die Studie einer italienischen NGO, die mit den Jahalin und Qa` aneh im zentralen Westbank arbeitet, stellt fest, dass die meisten Familien (55%) Wasser für das Doppelte des ortsüblichen Preises kaufen; 32% bekommen Wasser kostenlos von israelischen Siedlungen, müssen jedoch damit rechnen, von dieser Versorgung abgeschnitten zu werden. Der Transport von Wasser aus weit entfernten Quellen erfordert Wassertanks und Transportmöglichkeiten, über die nur bessergestellte oder von NGOs unterstützte Beduinen verfügen.

Flüchtlingslager

Es gibt wenige Verdienstmöglichkeiten, und die Lebenshaltungskosten sind hoch. Zum letzten Ramadan importierte die PA tiefgefrorenes Fleisch, was einen Preisverfall für Hammelfleisch verursachte. Für viele Beduinenfamilien sind ihre Herden die einzige Einkommensquelle, nun aber werden weibliche Jungtiere verkauft, um die Größe der Herden zu verringern. Vielen, die versucht haben, mit Obst- oder Getreideproduktion ein Auskommen zu finden, wurden ihre Bäume gefällt und Ernten zerstört. Die Arbeit in den israelischen Siedlungen ist unsicher und schlecht bezahlt - 70 Schekel, ungefähr 16 US- Dollar, pro Tag - und erfordert besondere Papiere. Kapital oder Mikrokredite für Kleinunternehmen fehlen. Die Entfernung zu dicht besiedelten Gebieten, die einst von den Beduinen so hoch geschätzt wurden, als sie noch Selbstversorger sein konnten, erweist sich heute als schwerwiegender Nachteil. Ihre Lager befinden sich oft fernab von Straßen; öffentliche Verkehrsmittel stehen selten oder gar nicht zur Verfügung, nur wenige besitzen ein Auto (obwohl einige über Traktoren oder Lasttiere verfügen). Für Frauen, die einkaufen müssen, für Kinder, die die Schule besuchen, und für Beduinen, die ärztlicher Hilfe bedürfen, stellt dies eine große Beeinträchtigung dar. Ein Mitarbeiter einer NGO, der vor kurzem zufällig Wadi Abu Hindi besuchte, konnte zwei erkrankte Kleinkinder retten, indem er sie in ein Krankenhaus brachte. In keinem der Lager gibt es Kliniken oder ist medizinisches Personal vor Ort. Mobile Arztpraxen können einmal wöchentlich oder einmal pro Monat präsent sein; aber Krankenhäuser gibt es nur in größeren Städten.

Veterinärmedizinische Behandlungen müssen wie Behandlungen im Krankenhaus bezahlt werden. Es besteht auch ein dringender Bedarf an Schulen und Schulbussen. Mangels Straßen und öffentlichen Verkehrsmitteln müssen Kinder bis zu 12 Kilometer zur Schule laufen oder stundenlang auf öffentliche Verkehrsmittel warten. Viele verlassen die Schule vorzeitig, vor allem Mädchen. Wenige Lager, wie das der Jahalin Saray´an in Wad Abu Hindi, haben eine eigene Schule. Als diese im Oktober 1997 von den Israelis zerstört wurde, bauten die Beduinen sie eigenhändig wieder auf. Vor drei Jahren gelang es einer Gruppe der Qa´abneh, Unterstützung für eine mobile Schule zu erlangen. Die Israelis bestanden zunächst auf einer offiziellen Erlaubnis, dann auf einem Gutachten und bestimmten schließlich, dass sich die Schule im B- Gebiet befinden müsse. Nur 33% der Beduinenkinder besuchen höhere Schulen, eine Zahl weit unter dem nationalen Durchschnitt von 77,6%. Beduinen im C-Gebiet, die bei israelischen Behörden Beschwerden wegen Übergriffen der Siedler, Wassersperren oder mangelnder staatlicher Leistungen vorbringen, wird beschieden: „Geht zu Eurer Verwaltung!“. Aber die wenigen Versuche der PA, ihre Leistungen auf das C-Gebiet auszuweiten, sind von den Israelis abgeblockt worden. Obwohl 90% der Beduinen der Westbank als Flüchtlinge registriert sind, erhalten nur wenige Unterstützung von der UNRWA, da sie weit entfernt von den Verteilungszentren leben. Doch wenn sie im A-Gebiet Krankenhäuser aufsuchen, wird ein Großteil als Flüchtlinge von der durch die PA subventionierten medizinischen Fürsorge ausgeschlossen. Ein ähnliches Dilemma stellen ihr rechtlicher Status und Versuche, sich Vertreibungen zu widersetzen, dar: ihnen steht keine Rechtsbeihilfe außer israelischen Rechtsanwälten zu. Aufgrund der Trockenheit erhalten die Beduinen Unterstützung von der ECHO, der Hilfsorganisation der Europäischen Union, doch das Fehlen von Plänen für Entwicklungshilfe lässt eine unbestimmte Zukunft erwarten.

Zukunft

Das Jahalin Lager, das sich in Sichtweite der eindrucksvoll auf einem Bergrücken gelegenen Siedlung Ma´ale Adumim befindet, könnte ein Zukunftsszenario für die Beduinen darstellen. Hierher, auf eine steinige Bergkuppe im äußersten Osten von Jerusalem, in unmittelbarer Nähe der kommunalen Müllhalde, in das B-Gebiet, wurden unter massivem israelischen Druck im Januar und Februar 1997 60 Jahileen Salamat Familien umgesiedelt. Die überfüllten Metallcontainer, Zelte und Hütten, die sie nun bewohnen, und ihre wenigen verbliebenen Herden stellen die Antithese eines Beduinenlagers dar, das immer weitläufig und in schützenden Wadis, in der Nähe von Weideplätzen errichtet wurde. Hier sind die Tiere ständig eingepfercht und werden das ganze Jahr mit Trockenfutter gefüttert.

Flüchtlingslager

Sulayman Mazara´a, ein Sprecher der Jahalin, beklagt, dass dieses Futter teuer gekauft werden muss- im Unterschied zu Jordanien weigert sich die PA, Trockenfutter zu subventionieren-, da es „die Tiere fett macht und die Milchqualität mindert“. Er hebt auch hervor, dass der Verlust ihrer natürlichen Umgebung die Kinder der Beduinen auch psychisch beeinträchtigt und sie depressiv und verschlossen werden.

Noch andere Lager der Jahileen sind seit 1997 geräumt worden. Im Februar 1999 wurden 35 Familien aus Wadi Muscob, aus der Nähe von Jericho, nachts im Jahalin Lager abgesetzt, nachdem der Großteil ihres Lagers von Bulldozern eingeebnet worden war. In ihrem und im Namen einer anderen Gruppe sind Klagen bei Gericht anhängig; das israelische Angebot ist ein neunundvierzigjähriger Pachtvertrag für ein Stück Land im Jahalin Lager und eine Erlaubnis zum Hausbau; ein fragwürdiger Plan, denn das betroffene Land gehört Einwohnern von Abu Dis. An den Hängen unterhalb des Jahalin Lagers ist in letzter Zeit neues Gelände begradigt worden, was auf bevorstehende Räumungen von Hunderten kleiner Lager- vorwiegend der Jahalin und Qa´abneh- schließen lässt, die nördlich, östlich und südlich von Ma´ale Adumin liegen.

Die Reaktionen der Beduinen sind beeindruckend: Räumungsbescheide werden ignoriert, gewaltsamer Vertreibung wird Widerstand geleistet, zerstörte Unterkünfte werden wiederaufgebaut. Aber es ist ein stiller Kampf, weitgehend unbeachtet von den Medien, den westlichen wie den arabischen. Einige Sprecher verwenden das Wort „Hoffnungslosigkeit“, da sie befürchten, dass die Lebensweise der Beduinen keine Zukunft hat. Zuversichtlicher fordern sie die Schaffung von „Beduinendörfern“, in denen der Übergang zur Moderne ohne den Verlust ihres Zusammengehörigkeitsgefühls und ihrer Kultur gemeistert werden könnte. Es hat auch Versuche gegeben, sich gleichzeitig nach modernen Richtlinien und Stammesstrukturen zu organisieren, was sich aufgrund ihrer politischen und materiellen Situation als schwierig erweist. Die Jahalin, die 1988 als erste eine Vereinigung gründeten, haben heute auch ein gewähltes Komitee. Andere Stammesgruppen folgen diesem Beispiel. Diese Zusammenschlüsse sind rechtlich registriert und daher gleichrangig mit NGOs oder kommunalen Vereinigungen. Sie stellen das Anfangsstadium einer „Beduinenlobby“ auf der politischen Bühne dar. Aber wird sich diese Lobby rechtzeitig formieren können?

Rosemary Sayigh, Anthropologin, Beirut.
Übersetzung aus dem Englischen: Anja Zückmantel.