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8. Februar 2006

„Hey, Muna! Where are you from?“

Heute noch einmal holen wir Muna am Kreisel in Assariah ab. Sie kommt mit einem Sammeltaxi aus Aram, das ist kurz vor dem Checkpoint in Kalandia/Ramallah.

Die beiden letzten Male brauchte sie für diese 10 km für jeweils eine Strecke ca. 1 Stunde. Jeden Mittwoch kommt sie mit Samuel, ihrem kleinen zweijährigen Sohn nach Assariah, um den Jahalin- Mädchen Englisch-Unterricht zu geben.
Muna kommt aus Norwegen, hat viele Jahre in London gelebt und geht nun mit ihrer kleinen Familie in ihr Heimatland zurück. Schon auf dem Weg zum Jahalin-Hügel wird sie sie von den Mädchen erwartet, mit ihren Schulheften in der Hand und ein schnelles „Hey Muna, how are you?“ auf den Lippen.
Auf dem Weg zum Hügel bekomme ich einen Anruf, dass das Büro des Internationalen Beobachterbüros in Hebron attackiert wurde und empfohlen wird, soweit nicht nötig, nicht in die Westbank zu fahren. Doch da sind wir schon auf dem Weg: Munas letzte Englisch- Lesson soll noch stattfinden und mit einer kleinen Party wollen wir sie verabschieden.

Der Wind bläst, tobt, und der Sand der Wüste treibt über das Camp, der Himmel ist grau und wild. Die Stimmung gleicht ein wenig den über die Äther laufenden Pressemeldungen: die Welt scheint wieder einmal aus den Fugen zu geraten … Doch trotz des heftigen Rüttelns des Windes beweist der Caravan, unser kleines Zentrum auf dem Hügel, seine Standfestigkeit, und Munas sanfte Stimme wird zuweilen nicht nur von den Kindern, sondern auch dem heftigen Raunen des Windes übertönt. Seit einem halben Jahr kommt Muna zu den Jahalin- Mädchen. In dieser Zeit ist etwas Schönes gewachsen. Auch wenn die Schlagzeilen so vieler Medien den Eindruck erwecken können, alle Anstrengungen zur Verständigung wären schon zerschlagen, so wissen wir, dass das nicht ganz der Wirklichkeit entspricht. Und das nicht nur auf dem Jahalin-Hügel in Assariah.

Text: Anna Crummenerl; Fotos: Jonas Calabrese

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