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18. Januar 2007

Die weiße Stadt

Seit zwei Monaten bin ich nunmehr in Jerusalem. Meine Arbeit hat mich bis jetzt schon fast täglich zum Hügel der Jahalin- Beduinen gebracht. Vom Hügel aus gibt es einen immer wieder beeindruckenden Ausblick auf die Berge der jüdääischen Wüste, die sich im verändernden Sonnenlicht mal sandig verschmolzen und mal steinig und dunkel zeigen. Was man auch sieht, sind unzählige Häuserreihen, die sich, lagernd auf einer Hügelkette, in die Wüste hinein strecken. Es sind die Häuser der Siedlung Maale Adumin, der weißen Stadt.

Maale Adumin ist heute mit 30.000 Einwohnern eine der größten israelischen Siedlung innerhalb des Westjordanlandes. Wegen der Erweiterung von Maale Adumin wurden die Jahalin- Beduinen Mitte der 1990-er Jahre zwangsweise umgesiedelt. Es jährt sich in diesen Tagen, am 27. Januar 1997, als 35 Jahalin-Familien an einem kalten, stürmischen, regnerischen Januar-Tag auf den „Hügel“ vertrieben wurden. Schiffscontainer hat die israelische Armee den Menschen zur Verfügung gestellt, fast alle ihre Zelte und Unterkünfte wurden zerstört. Ich habe schon mit vielen jungen Jahalin-Männern gesprochen, die mir beim Zeigen auf die weiße Stadt erzählen, dass sie dort, auf diesem Land, geboren sind. Dasselbe haben mir zwei junge Israelis erzählt, die ich bei einer Abschiedsfeier eines deutschen Volontärs in Israel kennen gelernt habe. Sie schwärmten von ihrer glücklichen Kindheit in Ma:ale-Adumim: den Spielplätzen, grünen Parkanlagen und den gemeinschaftlichen Aktivitäten.

Nun stehe ich eines Morgens in Maale Adumin. Empfangen werde ich von einem israelischen Checkpoint, und einer Palmenallee, die mich zu den Häuserreihen am Rande der Wüste führt. Dort stehen sie, die weißen Häuser, aufgereiht, mit den roten Ziegeldächern. So schön der Gang durch die Straßen entlang der Häuser ist, so befremdlich ist er auch. Ich sehe schöne Beete in den Gärten der Häuser, Terrassen und Teiche sind angelegt, von den Bäumen ist das Singen der Vögel zu hören und zuweilen klingen sogar die Töne eines Klaviers aus den Häusern. Nur der sich manchmal ergebende freie Blick auf die Wüste und die Wellblechhütten der Jahalin erinnert mich daran, wo ich bin. In der steinigen, trockenen Wüste Judäa, in der die Beduinen mit ihren Herden einmal lebten.

Hendrik Dürr
Fotos: Hendrik Dürr

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