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12. August 2006

Die kleinen lichten Augenblicke in dunklen Zeiten

Das Sommercamp mit den Jungen ist vorbei, vier anstrengende und erfahrungsreiche Wochen liegen hinter uns. Wochen, in denen wir trotz laufend schrecklichen Nachrichten aus dem Norden Israels, dem Libanon und Gaza immer wieder rausfuhren nach Azaryah. Wir, das waren neben Anna, Nitza und mir zwei weitere Freiwillige aus Deutschland, Maxim und Lea, und die beiden amerikanischen Studenten Alex und Matthew, die ihren Sommer in Jerusalem verbracht haben. Allen vieren sei an dieser Stelle noch einmal herzlich gedankt für ihre Unterstützung und Tatkraft.
Ein ganz besonderer Dank geht an unsere vier jungen Volontäre von den Jahalin, ohne deren Hilfe wir das Sommercamp für die Jungen nicht hätten realisieren können. Hassan, Iyyad, Suleyman und Hani waren bereit, einiges ihrer Freizeit zu opfern, um uns - am Anfang noch etwas zaghaft, bald jedoch aktiv und mit eigenen Ideen - zu unterstützen und das Sommercamp mitzutragen.
So können wir nun im Nachhinein stolz sein, zum ersten Mal auch den Jungen der Jahalin-Beduinen ein Sommerprogramm geboten zu haben. Auch wenn es manchmal nicht so lief, wie wir es geplant hatten, war es doch ein Erfolg und ein weiterer wichtiger Schritt in der Projekt-Arbeit mit den Jungs und jungen Männern. Und dass die ersten Jungen in der Regel bereits eine bis anderthalb Stunden vor Beginn der Aktivitäten an der Schule warteten, zeigt uns, wie wichtig es ihnen war und wieviel Spaß sie dabei hatten.
Im Anschluss an die Abschlussfeier sind wir dann mit allen Volontären nach Jericho gefahren, wo wir uns einen Tag der reinen Entspannung im Schwimmbad, Restaurant und Park gönnen durften. Allen war die Freude über den gelungenen Abschluss des Camps anzumerken, es herrschte eine herrlich ausgelassene und relaxte Atmosphäre, die ich einmal mehr auch der Stadt Jericho zuschreiben möchte, diesem Ort, der so nah und doch so fern ab von allen Kampfhandlungen und Streitigkeiten liegt.
Vom gemeinsam gehaltenen Rückblick auf die vergangenen Wochen möchte ich hier gerne nennen, was Hassan anmerkte. Bei aller Zufriedenheit über das Geleistete wagte er bereits einen Blick in die Zukunft und wünschte sich, in der Arbeit mit den Jungen den Bereich Education stärker mit einzubeziehen. Dies ist auch unser Wunsch für die kommenden Monate und wir hoffen, weiterhin verstärkt mit jungen Männern der Jahalin als Mitarbeiter und Freiwillige zusammen arbeiten zu können.
Der Sport wird uns dabei sicher weiterhin helfen, immerhin kommen mit Suleyman, Iyyad und Hani gleich drei unserer vier Helfer aus der Jahalin-Jugend-Fußball-Mannschaft. Teamgeist entwickeln, zusammen arbeiten und auch Eigenverantwortung übernehmen wird durch das gemeinsame Spiel gefördert. So hat es letzte Woche das erste offizielle Fußball-Training für die 10-14 jährigen Jungen auf dem Hügel gegeben, und zwar auf dem neuen Sportplatz, der zwar immer noch nicht ganz fertig, aber immerhin schon bespielbar ist.
Damit und mit dem, was mir ein paar Jungen der Jahalin dabei am Rande gesagt haben, möchte ich schließen. Natürlich bekommen auch die Kinder der Jahalin schon mit, was momentan im Libanon und in Nordisrael geschieht. Wie objektiv die Berichterstattung in manchen arabischen Medien dabei ist, vermag ich nicht einzuschätzen, jedoch fragen mich die Jungen nun des öfteren, ob ich Hisbollah kenne und ob ich die mag? Bisher habe ich mich - auch wegen mangelnder Sprachkenntnis - zurückgehalten, mit den kleineren Jungen eine politische Diskussion anzufangen. Vor ein paar Tagen aber nahm mich Zakarya, ein 17 jähriger Junge der Jahalin, bei Seite und fragte mich ganz unvermittelt: "Jonas, wir Araber und die Juden, wir müssen doch Frieden schließen, richtig?". Er war offenbar uneins mit zwei kleineren Jungen, von denen mich der Eine sogleich erneut fragte, ob ich Hisbollah kenne und ob ich die mögen würde? Ermutigt von Zakaryas Aussage sagte ich ihm meine Bedenken, ob die Gewalt von allen Seiten eine Lösung bringen kann? Und auf sein "Leeisch la?!" (= Warum nicht?) gelang es mir, ihm mit meinem bisschen Arabisch zu erklären, dass Raketen immer auch unschuldige Zivilisten treffen würden. Ich weiß nicht, ob er mich wirklich verstanden hat, aber umso schöner war, was der dritte Junge, der 14-jährige Khaled dann zu mir sagte: "Jonas, wenn Raketen nach Jerusalem fliegen, dann kommst Du zu uns auf den Hügel und schläfst hier, okay? Hier ist es sicher!"

Jonas Calabrese

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