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30. Mai 2005

Von Wünschen und Hoffnungen

Im Namen Allahs, des Gnädigen und Barmherzigen:

Es ist für uns, die Arab Al- Jahalin, eine wahre Freude eine Internetseite zu haben, die unseren Namen trägt. Im Namen aller Arab Al- Jahalin danke ich unseren deutschen Freunden, die uns dies möglich gemacht haben, insbesondere Dr. Anneliese Butterweck und Anna Crummenerl (die sich momentan bei uns befindet).
Die Arab Al- Jahalin sind mit 15.000 Menschen eine der größten Ethnien in Palästina. Die Hälfte von uns waren 1967 durch den Sechs-Tage-Krieg nach Jordanien evakuiert worden. Bis dahin führten wir ein ruhiges Leben, betrieben hauptsächlich Viehzucht und lebten auch teilweise von der Landwirtschaft. Wir verloren unsere ruhige und sichere Zukunft. Unsere Probleme begannen im letzten Jahrhundert und dauern bis heute an. Hier eine geschichtliche Zusammenfassung:

1. Die erste Tragödie erlitten wir 1948, als wir unser Land im Negev verloren haben. Wir wurden von der israelischen Armee aus unserem Heimatland vertrieben. Dort wurde eine israelische Stadt Namens „Arad“ gegründet, und unser Weideland, auf dem unser Vieh weidete, wurde von „Arad“ bis zum toten Meer zu einer Militärzone erklärt. Man vertrieb uns in Richtung Westjordanland, wo wir uns zwischen dem toten Meer und Jerusalem neu ansiedelten.
2. Die zweite Tragödie ereignete sich während des Sechs-Tage- Krieges. In dieser Zeit drang die israelische Armee in das Westjordanland und besetzte es. 1980 wurde die große israelische Siedlung Ma`ale Adumim gegründet, auf Kosten unserer Wohn- und Weideplätze.
3. Die dritte Tragödie wurde 1997 durch die israelische Militärpolizei verursacht. Sie vertrieb uns erneut mit Gewalt von unseren Wohn- und Weideplätzen, zerstörte unsere Hütten und brachte uns mit Lkws zu diesem Hügel, auf dem wir heute leben. Seit dem wohnen wir nur dreihundert Meter entfernt von einer Müllhalde. Es gibt hier keine Weideplätze für unser Vieh, und unser Territorium ist sehr eng.
Als Nomaden lebten wir immer sehr frei und konnten uns auf großen Landflächen bewegen (östlich von Jerusalem bis hin zum toten Meer). Wir konnten uns mit unseren Herden frei bewegen. Im Moment sind wir dazu gezwungen unseren Lebensstil zu ändern. Wir können z.B. nur noch eine kleine Anzahl von Schafen und Ziegen halten.
Wir haben folgende Erwartungen an die Zukunft:

1. Häuserbau: Da wir nun sesshaft leben müssen, benötigen wir die Hilfe beim Häuserbau. Die notwendigen Genehmigungen dafür haben wir bereits erhalten. Wir hoffen auf eine bessere Zukunft für unsere Familien und vor allem für unsere Kinder, damit wir nicht noch einmal vertrieben werden.
2. Schule: Wir benötigen dringend eine größere Schule für unsere Kinder, um ihnen durch Bildung eine bessere Zukunft zu ermöglichen.
3. Im Moment verfügen wir über eine Schule mit fünf Schulklassen, die von 160 Schülern besucht wird. Jedes Jahr kommen 35 neue Kinder an diese Schule. Die jetzigen Schulräume sind klein und eng. Die Wände sind aus Blech, das im Sommer weder vor Hitze, im Winter noch vor Kälte oder Nässe schützen kann.
4. Strom: Eine unserer größten Sorgen ist der Strom. Kann man es glauben, dass wir bis jetzt immer noch keinen Stromanschluss haben?
5. Straßen: Unsere Straßen sind schlecht und kaum ausgebaut. Wir benötigen bessere, breitere, asphaltierte Straßen.
6. Kanalisation: Seitdem wir hier sesshaft leben, müssen wir dicht gedrängt wohnen. Wir leiden an neuen Problemen, das wir vorher nicht kannten, z.B. wohin sollen wir mit unserem Müll? Außerdem benötigen wir ein Abwassersystem, um uns und unsere Kinder vor Krankheiten zu schützen. Vor allem benötigen wir Mülltonnen, eine Müllabfuhr und eine Kanalisation.
7. Jugendzentrum: Ein Zentrum für unsere Jungen und Mädchen muss errichtet werden, damit sie Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten erhalten.
8. Kindergarten: Wir brauchen einen Kindergarten für unsere kleinen Kinder (aus denselben Gründen wie die Schule).

Wir, die Arab Al-Jahalin, haben uns bis jetzt vernachlässigt gefühlt (von der Außenwelt abgeschnitten). Durch die Internetseite sind wir der Öffentlichkeit (der Welt im allgemeinen und generell unseren Freunden in Europa und vor allem in Deutschland) jetzt näher als zuvor. Wir haben großes Vertrauen, dass wir durch die Internetseite viele neue Freunde und Zuhörer finden, die sich für unsere Probleme interessieren und uns helfen wollen. Wir setzen auch große Hoffnungen und Erwartungen daran, Menschen kennen zu lernen, die uns helfen wollen, die nötigen Summen von Beträgen (bei der Finanzierung) für die oben genannten Projekte zu sammeln. Und insbesondere haben wir großes Interesse daran, eine Städtepartnerschaft mit einer Stadt oder Gemeinde in Deutschland zu schließen.

Suleiman Mazaraah

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