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20. November 2005

Besuch aus der „großen weiten Welt“ auf dem Beduinenhügel




Am 08. November hatten wir Besuch aus der großen weiten Welt im Caravan auf dem Beduinenhügel. Eine Gruppe von internationalen Teilnehmern einer Konferenz aus Bethlehem war zu Gast. Das Thema jener Konferenz war "Menschen, Land und Identität", ein Thema, von dem die Beduinen viel berichten können. Wer sind wir? Zu wem gehören wir? Was macht uns aus? Wie stehen wir zu unserem Land, zu unserer Natur? All das sind Fragen, mit denen sich die Jahalin in diesen Jahren sehr beschäftigen, beschäftigen müssen…
Die Gruppe aus Bethlehem bestand aus knapp 20 Teilnehmern verschiedener Länder, vor allem aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien, aber auch aus Deutschland und Südafrika. Sie hatten an diesem Tag bereits Besuche in Azaryah und Maale Adummim gemacht und zum Abschluss ihrer kleinen Tour standen Besuch und Gespräch mit den Jahalin-Beduinen an. So gab es ein Zusammenkommen jener Menschen aus aller Welt mit dem Committee der Jahalin-Beduinen bei uns im Caravan. Zwei Mitglieder des Committees reichten den originalen, gewürzten arabischen Kaffee aus einer goldenen Karaffe. Konzentriert und aufmerksam lauschten die Anwesenden dem, was Suleiman, der Sprecher des Committees, über die Geschichte und die aktuelle Situation der Jahalin berichtete. Wie sich dann im Gespräch herausstellte, waren unter den Teilnehmern der Konferenz auch zwei amerikanische Indianer. Wie die Beduinen heute wurden auch die amerikanischen Indianer einst von ihrem Land vertrieben und mussten zu großen Teilen ihre Kultur, ihre Traditionen und Lebensstile aufgeben. Die Zusammenkunft dieser zwei völlig verschiedenen Kulturen mit den gleichen Erfahrungen, der gleichen Leidensgeschichte, erzeugte eine außergewöhnliche Stimmung. Es war eine schöne und sehr interessante Erfahrung, zu erleben wie Menschen von der anderen Seite der Welt hier gemeinsam mit den Beduinen über deren Probleme und Schwierigkeiten sprachen.
Ein Mann aus Südafrika richtete schließlich die Frage, „was macht das alles mit uns“, an die anderen Teilnehmer. Spätestens in diesem Moment schienen für mein Empfinden alle Verschiedenheiten zwischen den Konferenzteilnehmern und den Beduinen nichtig und verschwunden zu sein. Für einen Moment waren wir alle einfach Menschen. Menschen, die sich allein, vielleicht klein und hilflos gegenüber diesen großen Problemen fühlen, die aber gemeinsam eine große Kraft aufbringen können und mit gegenseitiger Unterstützung und Anteilnahme etwas bewegen können. Schließlich fragte eine Frau Suleiman, was er sich von der Zukunft erhoffe. Und er antwortete, dass er der kommenden Zeit trotz aller Probleme optimistisch entgegen sehe. Noch einige Zeit, nachdem wir alle wieder auseinander gegangen waren, war für mich die Zuversicht und Energie zu spüren, die von jenen Stunden ausgegangen waren.

Jonas Calabrese

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