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21. Februar 2007

Schmerz und Hoffnung

Am 27. Januar 1997 jährt sich der Tag, als 35 Jahalin- Familien auf den „Hügel“ vertrieben wurden, ein unwirtliches Stück Land, 500 Meter von Jerusalems größter Mülldeponie entfernt. Schiffscontainer hatte die israelische Armee den Menschen zur Verfügung gestellt, fast alle ihre Zelte und Unterkünfte wurden zerstört.

Anlässlich dieses Ereignisses erzählte mir Suleyman, ein 18-jähriger Jahalin-Beduine, während unsere wöchentlichen Englischstunden von jenem Tag, als sein Haus zerstört und sie in Bussen abtransportiert wurden. Anschließend willigte er ein, etwas über diesen Tag und seine Folgen zu schreiben und die Bilder von diesem Tage zu veröffentlichen.

Der folgenden Artikel von Suleyman wurde von Saleh, unserem palästinensischen Kollegen, aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzt.

Hendrik Dürr

Am 12.Februar 1997, vor 10 Jahren, wurden wir Nomaden von unseren Weiden und Wohnorten östlich von Aizaria mit Gewalt vertrieben. Die Männer wurden geschlagen, eingesperrt und vor den Augen ihrer Frauen und Kinder beleidigt. Die Kinder weinten vor Angst, die Frauen waren machtlos, weil sie mit ansehen mussten, was mit ihren Familien geschah. Es war ein Tag des Elends, und ein Tag an dem wir sehr traurig waren. An diesem Tag wurden unsere Wohnhütten und Höhlen vor unseren Augen zerstört. Dieser Tag war für uns Nomaden ein Meilenstein in unserer Geschichte, weil wir nur diesen Lebensstil kannten: als Nomaden ganz frei in der Wüste zu leben.

Ich war sechs Jahre alt, als die Bulldozer kamen, uns aus unseren Wellblechhütten zwangsweise vertrieben und diese vor unseren Augen zerstörten. Es war an einem Wintertag, es war kalt, unsere Kleider lagen auf dem kahlen Hügel zerstreut, die Kinder liefen nackt und heulend herum. Ein schlechter Traum. Ich erinnere mich genau: Wir hatten Halbschuljahrsferien und ich war krank, lag mit Pocken zuhause. Ich bin der Älteste von meinen Geschwistern und die Hoffnung meiner Eltern ist, dass ich eines Tages mein Abitur schaffe und die Universität besuche. Ich möchte Medizin studieren. Das ist mein Traum und auch das Ziel, das ich vor Augen habe. Einen Tag vor der Vertreibung waren sehr viel israelisches Militär und Polizeistreitkräfte an unserem Wohnort. Sie sorgten dafür, dass wir nichts gegen diese Gewaltaktion unternehmen konnten. Die Frauen und Kinder waren sehr erschrocken und weinten vor Verzweiflung und Angst. Viele Väter wurden geschlagen und eingesperrt, manche auch verletzt. Später dann, nach der Vertreibung, hoch oben auf dem Hügel, ohne ein Dach über dem Kopf und ohne was zu essen, verbrachten wir dann eine sehr harte Nacht. Es war nicht einfach, so was zu verkraften: Die Kälte, die Dunkelheit und der Hunger. Wir froren alle. Bis auf den heutigen Tag, nach 10 Jahren, können wir die Bitternis dieser Nacht spüren. Es war sehr schmerzhaft. Meine Familie ist eine von vielen, die bis heute kein Haus haben. Wir wünschen uns eines sehr.

Diese Vertreibung hat dazu geführt, dass viele meiner Schulfreunde ihren Schulabschluss nicht machen konnten. Die neue Situation hat ihnen nicht nur ihr Vieh und ihre Einnahmequellen genommen, sondern sie sind auch gezwungen, ihren ganzen Lebensstil zu ändern. Das ist ein großer Verzicht. Das Vieh musste verkauft werden, die Jungen müssen nun vorzeitig die Schule verlassen und in der Siedlung Maale-Adumim Arbeit suchen, um die eigene Familie zu versorgen. Ich habe fast jede Hoffnung an einem Schulabschluss und an das Medizinstudium verloren, weil unsere finanzielle Lage mir das nicht erlaubt, aber das ist der Schicksal der meisten Jahalin-Jungen. Fast allen Jahalin-Jungen in meinem Alter geht es ähnlich. Aber trotz allem, ich träume weiter und hoffe auf einen bessere Zukunft für uns alle. Ich bin sicher, dass das alle in meiner Generation tun!

Suleiman von den Arab Al Jahalin, im Februar 2007

Die Fotos zeigen in chronologischer Reihenfolge die Zerstörung der Hütten, Soldaten auf dem Hügel, den freien Blick auf Ma'ale Adumim nach der Zerstörung und Vertriebene auf dem Hügel.

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